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Vita
Meine Hobbys
Freundschaft

Die Marinellis

Und es fing alles während unseres Sportstudiums in den 60iger Jahren an.

Vico mit Helena (Gastgeberin) beim Bildergucken in Horni Polubni (in den 80igern)

Um nicht pathetisch zu werden, teile ich hier einfach und schlicht mit, dass mir Freundschaft etwas Lebenswichtiges ist. Die wesentlichsten Kriterien sind bei den Marinellis erfüllt. Allerdings dürfen die Anstrengungen der Beteiligten nicht nachlassen. Es ist sicher gut, dass wir uns bedingt durch die große Entfernung nicht allzu dicht auf den Pelz rücken können, aber für die Pflege unserer Freundschaft ist es schon ein Nachteil. Gerade jetzt, wo wir zu den Alten (offiz. Bez. für die über 75jährigen) gehören und die Mobilität nachlässt. Jim und ich haben den Vorteil, das Internet nutzen zu können. Nachrichten und Bilder sind schnell ausgetauscht und Verabredungen getroffen. Wir skypen auch gelegentlich mit Bild und Ton miteinander. Mit Vico ist es beschwerlicher. Er ist immer nur abends über sein Pre-Payd-Handy zu erreichen und wenn er sich in Ungarn in seinem Haus befindet, schon gleich gar nicht. Wir dürfen unsere Erwartungen eben nicht allzu hoch ansetzen. Jeder ist in sein Lebensumfeld eingebunden und wir werden dazu auch nicht jünger. Deshalb bleiben wir dennoch die Marinellis, oder? 

Ungarn, bei einer Fahrt über den Balaton

So verging später, als ich im Westen lebte, kaum ein Jahr, in dem ich nicht zusammen mit meiner Familie mit meinen Ossi-Freunden irgendwo in den Ostländern Urlaub machte, um wenigstens dort mit ihnen zusammen sein zu können. So mehrmals in Ungarn, Bulgarien, Polen und vor allem in der Tschechoslowakei. Das an den Grenzen umzutauschende "Eintrittsgeld" konnte man als Wessi gar nicht alleine verbrauchen. Attraktives zu kaufen gab es nicht,  also machten wir uns mit dem Geld gemeinsam schöne Tage, denn wieder ausführen durfte man als Wessi die Auslands-Kohle nicht. 

Jim (... zu Wasser)

Eingeflochten: Wir waren alle Drei bereits mehrere Jahre im Sportlehrerberuf tätig. Typisch für die beiden noch Ossis, dass Sie bis zum Ende ihrer Berufszeit (fast) immer an einer Arbeitsstelle Dienst taten. Ich andererseits hatte bis 1977 bereits 9 Wirkungsstätten, die zwar viel Innovation für meine berufliche Entwicklung brachten, für mich und meine Familie aber auch die Bodenständigkeit entbehren ließen. Als Job-Hopping möchte ich meine beruflichen Veränderungen aber dennoch nicht verstanden wissen. Ich bin halt der Versuchung, neuen Herausforderungen nach zu gehen, öfter erlegen und fand immer wieder Möglichkeiten dazu. Das war meist erst später als gewisser Nachteil wahrnehmbar. Dennoch bereue ich es nicht. Ohne den sportpädagogischen Hintergrund aufgeben zu müssen, erschloss sich mir auf diesem Wege das interessante Arbeitsgebiet mit Behinderten. Das bedeutete einen intensiven Einstieg in die Entwicklungsneurologie, die Entwicklungspsychologie und diversen medizinisch und heilpädagogisch fundierten  Behandlungsansätzen. Das änderte mein Welt- und Menschenbild gewaltig. Auch gab mir später meine Position als Dozent an div. Universitäten, Fach- und Hochschulen, als Initiator und Macher vieler Fort- und Weiterbildungen und als Praxisanleiter viel Selbstvertrauen.  Während des Studiums, das wir als sogen. Fernstudium berufsbegleitend absolvierten, lernten wir drei Studiosi uns kennen. Wir kamen aus Nordthüringen mit Eisenach als zentralen Treffpunkt. Hier bestiegen wir gemeinsam den Zug bzw. trafen uns mit unseren Motorrollern zur Fahrt nach Erfurt, wo sich die DHfK-Außenstelle befand.  Bei der Struktur des Studiums gab es abwechselnd Präsenztage an der Hochschule und Hausarbeitstage, unterbrochen von Lehrgängen und Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Republik. Wir waren sehr schnell ein gutes Team, das die Lernorganisation, das Training, die Prüfungsvorbereitung gut beherrschte und fühlten uns bestens für das Vorhaben geeignet. Jim kam aus dem Leistungssport, war Weitspringer und Sprinter beim ASK, lehrte an einer Betriebsberufsschule beim VEB Kali in Merkers. Vico, ebenfalls beim ASK gewesen, war ebenfalls Leichtathlet auf der Mittelstrecke, hatte eine Anstellung an einer POS in Treffurt. Ich selbst hatte es eher mit dem Turnen, hatte bereits ein Jahr Studium in Dresden in einem eigens für Sportoffiziere eingerichteten Seminar hinter mir und brachte meine Erfahrungen als Sportoffizier mit. In Eisenach an einer POS lehrte ich Sport, Werken und Musik. Heute würde ich mich eher als Allrounder bezeichnen. Alle Drei hatten wir demnach bereits eine Anstellung im öffentlichen Schuldienst als Sportlehrer mit Status eines Lehramtsanwärters. Für Präsenztage und Kurse musste uns die Schule freistellen. Die Ausbildung war kompakt und eher streng nach Schulprinzip organisiert. Der Unterricht war zu oft frontal, eine eigne Meinung wurde wenig gefragt. Entsprechende Lehrbücher beinhalteten den zu unterrichtenden Stoff. Eigene Studien, etwa in Bibliotheken waren erst nötig, als es an das Schreiben der Diplomarbeit ging. Mein Thema befasst sich mit der Frage, ob meine Probanden jenseits der 55 Jahre, wenn sie ein Leben lang Sport getrieben hatten, im Vergleich mit einer Gruppe von Nichtsportlern gleicher Altersgruppe in medizinischen Parametern besser abschnitten. Die Antwort lag auf der Hand. Es ging aber darum darzustellen, wie man zu den Ergebnissen kam.

Vico ( ... zu Lande)

Atze (... in der Luft)

Nach der Wende haben die Marinellis ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wir veranstalteten gemeinsam Skikurse für Wessis im Iser- bzw. Riesengebirge der CZ. Dazu mehr hier

 

Die Mithöranlage der Stasi in Vicos Nachbarschaft

Nach der Wende konnten wir endlich unsere Gemeinschaft ungehindert pflegen. Als ich das erste Mal von Eschwege kommend nach Treffurt einreiste, saßen die DDR-Grenzer noch im Grenzübergangshäuschen im Grünen. Meinen Pass musste ich noch zeigen und mir die Bemerkung anhören, dass der laut Eintrag auch nicht mehr lange gültig sei. Ich antwortete darauf, dass er sicher noch länger gültig sein werde, als sie hier noch zu hocken hätten. Das wurde mit Grinsen quittiert.

Unsere über viele Jahre gepflegte Praxis, uns in den Winterferien in der CSSR zu treffen, gaben wir Marinellis nicht auf. Dazu später hier mehr.

Es vergingen nach meinem missglückten Fluchtversuch und darauf folgender Inhaftierung nur 2 Jahre, bis wir uns in Ostberlin erstmals wieder trafen. Es wurde uns schnell klar, dass mein eingeschlagener Weg unserer Freundschaft keinen Schaden zugefügt hatte. Ich hatte im Gegenteil den Eindruck, dass auch meine Ossis Gefallen daran fanden, sich mit mir über die Verhältnisse in Ost und West austauschen zu können. Und dann gab es ja auch immer ein paar Mitbringsel die den Westen nicht nur zum Westen, sondern zum Goldenen Westen hochstilisierten. 

Artisten zu Wasser, zu Lande und in der Luft. So lautet unser Slogan bis heute, 2011.

Bei unseren Treffen in der CSSR (1973 - 1989) ging es durchaus auch kontrovers zu. Denn Briefe waren davor ständig in beide Richtungen unterwegs (natürlich von der Stasi mitgelesen). Auch blieben solche Treffen  gelegentlich nicht ohne Stasi-Zugriff. Ich überzog die Fahrzeiten z. B. auf der Transitstrecke und musste mir die Frage gefallen lassen, wo ich in der Zeit war. Mir war es eine Genugtuung, die Autobahnpolizei auszutricksen. Mit dem Gefühl und der Überzeugung im Bauch, dass ich eine gewisse Narrenfreiheit besaß, habe ich einer Festnahme stets gelassen entgegen gesehen. Ich konnte davon ausgehen, dass man mich in diesem Fall so schnell wie möglich wieder los werden wollte, weil ich zu viel wusste. 

Nach der Wende: Nun konnten auch meine beiden Ossis live Anteil an meiner beruflichen Tätigkeit im Westen nehmen. Ich war inzwischen seit 1990 in der Eigenschaft eines Erwachsenenfortbildners freiberuflich unterwegs an vielen Orten Deutschlands und im deutschsprachigen Ausland. Es ging meist um den Erwerb einer Zusatzqualifikation in Psychomotorik. Das war natürlich auch etwas für meine beiden Freunde. Für sie war es ganz neu, mit Behinderten so eng in Kontakt zu kommen. Brav standen sie die vier Wochenkurse durch bis zum Zertifikat. Auch in Ostdeutschland bekam ich nach der Wende viel zu tun. Darüber schrieb ich bereits hier. Es war schon ein seltsames Gefühl, als ich erstmals am Sportunterricht von Vico und Jim hospitierend teilnehmen  konnte. Dass ich das noch erleben durfte! Es mutet noch heute wie ein Wunder an.

Freundin Almut poetisch:

Noch vor der Wende: Am ersten Abend unseres jährlichen Wiedersehens haben wir uns immer ordentlich einen gegönnt. Vico brachte meist ein Kantholz (Neudietendorfer Kräuterlikör) mit und Jimmy lieferte den Bergmannsschnaps, der ihm als Lehrer im Bergbau von Merkers zustand. Dazu das gute tschechische Pilsener! Wir schreiben etwa 1977. Meine Freunde glaubten fest an die Richtigkeit der Idee des Sozialismus, wünschten ihn sich aber mit einem freundlicheren Gesicht. Sie hatten halt auch nicht wie ich die Möglichkeit die andere Seite kennen zu lernen. Mit den Begriffen Imperialismus, Kapitalismus, Revanchismus wurde gemein hin alles Westliche schlecht gemacht. Die Waren des Westens wollte der Normalbürger der DDR schon haben, aber das Gesellschaftssystem nicht. Karl Eduard von Schnitzler (Sudelede) war's gelungen. Video hier!  (Duzfreunde Oertel und v. Schnitzler beim Telefoninterview)

In den Mund geschoben:

"... und Atze, eins will ich Dir sagen, am Ende siegt der Sozialismus doch!

 

Auf Jimmys Terrasse mit Blick Richtung Rhön  >>>

 

"Jimy, horche ma, wenn der Atze uns immer solche abfälligen Sachen über Erich und Margot erzählt, und die DDR schlecht machen will, dann fahren wir nicht mehr mit Kneislski, dann nehmen wir wieder Germina".

Vico hat inzwischen den Fabel, 300 Jahre alte Bausubstanz auf seinem Grundstück wieder nutzbar zu machen >>>

 

"Atze, Du musst Dir das so vorstellen, eines Tages haben wir das Weltniveau auch erreicht. Und was Du mir über den Sozialismus in Schweden weismachen willst, glaube ich Dir einfach nicht."

 

In Vicos Wintergarten haben wir schon öfter einen zur Brust genommen. >>>

Am nächsten Morgen, aber schon mindestens 10 Jahre später. Immer noch dasselbe: 

" ... was, ich soll gestern Abend Ar ...l ... zu Dir gesagt haben? Ich weiß von nichts."

 

Wenn es sich ergibt, genieße ich die Landschaft im neuen Umfeld. Wer behauptet, wir leben an der Packeisgrenze, übertreibt gewaltig  >>>

1976 in Korenov

Die 3 Marinellis:

Dieses Bild entstand im Winter 1976 in Korenov, CSSR. Ich war dort  erstmals mit den Jungs zum Skifahren  zusammen getroffen.

Das Capitel Marinellis wird hier nicht weiter fortgeführt. Unserem Trio wird in meinem Blog eine eigene Rubrik eingeräumt.

Album hier

 

 

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